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Sapsan
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top
Unter der Bezeichnung Sapsan werden die Hochgeschwindigkeits-Elektrotriebwagen der Baureihen ĐĐĐĄ1 (EWS1) und ĐĐĐĄ2 (EWS2) der Russischen Eisenbahnen (RĆœD) zusammengefasst. Vom Hersteller Siemens werden diese Baureihen Velaro RUS genannt (RUS fĂŒr Russland). Beide bilden die dritte Generation auf Basis der Velaro-Plattform entwickelter HochgeschwindigkeitszĂŒge, die aus dem deutschen ICE 3 abgeleitet wurde. Sie erhielten zur Vermarktung die Bezeichnung Sapsan (russisch ŃапŃĐ°Đœ, Wanderfalkecite-ref-siemens-2008-09-23-2-0[2]). Mit seinen verbreiterten WagenkĂ€sten basiert der Sapsan auf dem Velaro CN (CRH3), fĂ€hrt aber auf russischer Breitspur und ist insbesondere den speziellen klimatischen Bedingungen vor Ort angepasst.
Die ersten acht TriebzĂŒge der Baureihe ĐĐĐĄ2 sind ZweisystemzĂŒge fĂŒr Gleichstrom (3 kV) und Wechselstrom (25 kV, 50 Hz). Sie befinden sich seit Dezember 2009 im planmĂ€Ăigen Verkehr. Die anschlieĂende Baureihe ĐĐĐĄ1 bestehend aus acht zehnteiligen Einsystem-TriebzĂŒgen ausschlieĂlich fĂŒr Gleichstrom (3 kV) nahm 2014 ihren Betrieb auf.
Contents
âą Planungen
âą Erste Bauserie
âą Zweite Bauserie
âą Dritte Bauserie
âą Betrieb
âą Linien
âą Technik
âą Ansichten
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Planungen
Im Jahr 2002 war das Projekt der RĆœD-Baureihe ĐĐĄ250 gescheitert.
Am 21. Dezember 2004 schlossen Siemens, die RĆœD und die russische Firmengruppe Neue Transporttechnologien (NTT), unter Anwesenheit von Bundeskanzler Schröder und StaatsprĂ€sident Putin, ein Abkommen zur gemeinsamen Entwicklung und Fertigung von zunĂ€chst 60 HochgeschwindigkeitszĂŒgen. Bei der Entwicklung sollten Siemens und NTT zusammenarbeiten, die Fertigung sollte weitgehend in Russland erfolgen. Die Fertigstellung des ersten Zuges wurde fĂŒr 2007 erwartet, der Gesamtauftragswert belief sich auf rund 1,5 Milliarden Euro. DarĂŒber hinaus wurde eine Option fĂŒr weitere 90 ZĂŒge vereinbart.cite-ref-eri-2005-76-3-0[3] Arbeitsgruppen klĂ€rten technische, organisatorische und finanzielle Fragen.cite-ref-zevrail-2005-52-4-0[4]
Am 10. April 2005 (andere Quelle: 11. April 2005cite-ref-eri-2005-286-5-0[5]) schlossen Siemens und die RĆœD, im Beisein von Schröder und Putin, in Hannovercite-ref-eri-2005-286-5-1[5] einen Vertrag ĂŒber die Entwicklung von HochgeschwindigkeitszĂŒgen fĂŒr Russland. Im Rahmen dieses Papiers wurde die Entwicklung und Projektierung ebenso geregelt, wie das Lokalisierungskonzept und die Struktur eines spĂ€ter zu schlieĂenden Liefervertrages.cite-ref-zevrail-2005-394-6-0[6] Die Entwicklungskosten wurden mit 40 Millionen Euro veranschlagt.cite-ref-tslive-2007-06-7-0[7] Der ursprĂŒnglich auf den Entwicklungsvertrag aufbauende Liefervertrag, der im Sommer 2005 geschlossen werden sollte, hĂ€tte die Lieferung von 60 ZĂŒgen, bei einem Projektvolumen von 1,5 Milliarden Euro, umfasst.cite-ref-zevrail-2005-394-6-1[6] Die Auslieferung des ersten Zuges war fĂŒr Ende 2007 vorgesehen.cite-ref-eri-2005-286-5-2[5] PrĂ€sident Putin kĂŒndigte an, die Siemens-Werke in Deutschland könnten mit AuftrĂ€gen aus Russland bis 2015 ausgelastet werden.cite-ref-eri-2005-592-8-0[8]
Erste Bauserie
Am 18.cite-ref-tslive-2007-06-7-1[7] Mai 2006 wurden in Sotschi die VertrĂ€ge ĂŒber die Lieferung von acht zehnteiligen HochgeschwindigkeitszĂŒgen vom Typ Velaro RUS zwischen dem Betreiber RĆœD und dem GeschĂ€ftsbereich Siemens Mobility unterzeichnet.cite-ref-eri-2006-360-9-0[9]
Im April 2006 wurde ein Modell eines Endwagens im MaĂstab 1:1, ein sogenanntes Mock-up, in Auftrag gegeben, drei Monate spĂ€ter in Augsburg fertiggestellt und am 3. August 2006 in St. Petersburg prĂ€sentiert. Am 23. April 2007 folgte in Moskau die Unterzeichnung eines Wartungsvertrages der ZĂŒge fĂŒr die Dauer von 30 Jahren â der Auftrag mit der bisher lĂ€ngsten Laufzeit in Russland. Diese Wartung, fĂŒr die der Hersteller voll verantwortlich zeichnet, findet im Instandhaltungswerk Metallostroy, sĂŒdöstlich von St. Petersburg, statt. Anfang Juni 2008 wurde dort Richtfest gefeiert. Neben einem dreigliedrigen Werkstattkomplex entstanden eine AuĂen- und Innenreinigungsanlage sowie eine Unterflurradsatzdrehmaschine und -prĂŒfanlage.cite-ref-ei-2008-07-74-10-0[10] Inzwischen (Stand: 2012) sind dort 70 Mitarbeiter beschĂ€ftigt, darunter 40 Mitarbeiter von Siemens (davon 6 aus Deutschland) und 30 von der Russischen Staatsbahn geliehene Arbeiter.cite-ref-handelsblatt-2012-174-24-11-0[11]
Der PrĂ€sident der Russischen Staatsbahn, Wladimir Jakunin, setzte am 20. Juli 2007 im Siemenswerk in Krefeld-Uerdingen symbolisch die Produktion des Velaro RUS in Gang.cite-ref-etr-2007-574-12-0[12] Der Auftragswert betrĂ€gt rund 630 Millionen Euro, davon 276 Millionen fĂŒr die Lieferung der ZĂŒge und 354,1cite-ref-ria-2012-08-22-13-0[13] Millionen fĂŒr den Wartungsvertrag.cite-ref-faz-2009-177-9-14-0[14] Zur Finanzierung der TriebzĂŒge nahm die RZD im Januar 2008 bei der Deutschen Bank einen Kredit ĂŒber 422 Millionen US-Dollar auf.cite-ref-finanzen-2008-01-22-15-0[15]
Zweite Bauserie
Am 17. Dezember 2011 wurden weitere acht zehnteilige 3-kV-Einsystem-TriebzĂŒge (mit Vorbereitung fĂŒr 25 kV/50 Hz) durch die Russische Staatsbahn RĆœD beauftragt. Der Auftrag beinhaltet einen Instandhaltungsvertrag fĂŒr die Dauer von 30 Jahren und belĂ€uft sich ĂŒber einen Gesamtwert von rund 600 Millionen Euro. Die Fertigung der ZĂŒge findet im Siemens-Werk in Krefeld-Uerdingen statt.cite-ref-siemens-2011-12-19-16-0[16]
Der erste Wagen eines zehnteiligen Triebzuges bietet 19 Sitze in der Premiumklasse sowie eine VIP-Lounge hinter dem FĂŒhrerstand mit vier Sitzen an einem Tisch. Der zweite Wagen verfĂŒgt ĂŒber 52 Sitze in der Businessklasse und einen Servicebereich. Die anderen acht Wagen halten je bis zu 66 SitzplĂ€tze in der Touristenklasse bereit.
Am 3. Dezember 2012 wurde die Fertigung der acht neuen ZĂŒge durch Vertreter von Auftragnehmer und -geber im Siemens-Werk Krefeld-Uerdingen gestartet.cite-ref-siemens-2012-12-03-17-0[17] Die ZĂŒge der zweiten Bauserie sollen ab Januar 2014 in Betrieb genommen werdencite-ref-siemens-2012-12-03-17-1[17] und ab Oktober 2014 auf der Strecke Sankt PetersburgâMoskau und weiter bis Wladimir verkehren, wobei Fahrten in Doppeltraktion vorgesehen sind. Dazu erhalten die ZĂŒge Scharfenberg-Frontkupplungen vom Typ 10 mit Adaptern auf SA-3, um von einer Lokomotive geschleppt bzw. rangiert werden zu können. Die TriebzĂŒge können auch mit Fahrzeugen der ersten Bauserie gekuppelt werden.cite-ref-siemens-2012-12-03-17-2[17]
Mitte Dezember 2013 ist der erste Triebzug der zweiten Bauserie ĂŒber den Seeweg, siehe Absatz Produktion und Auslieferung, in Sankt Petersburg angekommen.cite-ref-18[18]
Laut Angaben von Siemens vom Februar 2018 liefen Verhandlungen ĂŒber elf neue TriebzĂŒge und zusĂ€tzliche Wagen fĂŒr die Bestandsflotte.cite-ref-eurailpress-2018-02-14-19-0[19]
Dritte Bauserie
Im Juni 2019 erteilte die Russische Staatsbahn einen Auftrag von 13 weiteren zehnteiligen TriebzĂŒgen fĂŒr die Strecke Sankt PetersburgâMoskau. EinschlieĂlich Instandhaltung fĂŒr 30 Jahre betrĂ€gt der Auftragswert 1,1 Milliarden Euro. Beauftragt wurden Siemens Mobility und Ural Locomotives, ein Joint Venture der Sinara Group und der Siemens AG.cite-ref-siemens-2019-06-07-20-0[20]
Die Auslieferung wurde im MĂ€rz 2022 aufgrund des russischen Ăberfalls auf die Ukraine gestoppt.cite-ref-21[21] Bis dahin waren vier TriebzĂŒge ausgeliefert worden, fĂŒnf weitere im Bau. Diese TriebzĂŒge wurden fertiggestellt und eingelagert. Die vier ĂŒbrigen TriebzĂŒge werden nicht mehr gebaut.cite-ref-tre-325-40-22-0[22]cite-ref-23[23]
Produktion und Auslieferung
Die ersten Wagen des Velaro RUS wurden Anfang 2008 in Krefeld montiert.cite-ref-siemens-2008-03-18-24-0[24] Offiziell vorgestellt hatte man die ersten drei Wagen des ersten Zuges auf der Schienenfahrzeugmesse InnoTrans am 23. September 2008 in Berlin.cite-ref-siemens-2008-09-23-2-1[2] Der erste vollstĂ€ndige Mehrsystemzug wurde am 13. November 2008 ĂŒber den FĂ€hrhafen Sassnitz-Mukran von der Insel RĂŒgen nach Ust-Luga in Russland verschifft.cite-ref-mukran20081113-25-0[25] Zuvor musste der Zug auf der StraĂe von Krefeld nach RĂŒgen transportiert werden. Erst in Sassnitz-Mukran, dem einzigen deutschen FĂ€hrhafen mit russischer Breitspur, konnte der Zug aufgegleist und in zwei Zugteilen auf die FĂ€hre Vilnius gerollt werden. Auf diesen Wegen erfolgte auch die Auslieferung aller weiteren ZĂŒge, wobei auf die vier Mehrsystem-Einheiten die vier Einsystem-Einheiten folgten. Am 26. Dezember 2008 wurde der erste Zug am Moskauer Bahnhof in St. Petersburg vorgestellt.cite-ref-26[26] Inbetriebsetzung und PrĂŒfungen finden im Depot in St. Petersburg sowie auf der Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg, auf dem Versuchsbahnring in Schtscherbinka und auf Hochgeschwindigkeits-Versuchsstrecken in Beloretschensk statt.
Am 22. Dezember 2009 wurde der letzte der acht ZĂŒge des ersten Lieferloses verschifft.cite-ref-db-2009-12-21-27-0[27]
Im Februar 2014 begann die Auslieferung der zweiten Bauserie.cite-ref-eisenbahnrevue-28-0[28] Dazu wurden die Wagen im Hafen Krefeld-Uerdingen auf ein Binnenschiff verladen und nach Amsterdam transportiert. Von dort erfolgte der Transport auf dem Seeweg ĂŒber Sassnitz (Umladung auf Breitspur-EisenbahnfĂ€hre) nach Ust-Luga.
Betrieb
Am 2. Mai 2009 stellte ein Sapsan bei einer Testfahrt einen Geschwindigkeitsrekord von 281 km/h auf, was die bis dahin höchste Geschwindigkeit auf einer russischen Bahnstrecke bedeutet. Auf der Strecke St. PetersburgâMoskau, zwischen Okulowka und Mstinski Most ĂŒbertraf der in Serie gefertigte Zug damit seine zugelassene Höchstgeschwindigkeit um rund 10 Prozent.cite-ref-29[29] Am 2. August 2009 fand im Beisein des PrĂ€sidenten der Russischen Staatsbahn, Wladimir Jakunin, die Jungfernfahrt auf der Strecke St. PetersburgâMoskau statt.cite-ref-faz-2009-177-9-14-1[14]
Unmittelbar vor der Eröffnungsfahrt kam der Sapsan bereits am 27. November 2009 zur Rettung der Verletzten des Terroranschlags auf den Newski-Express zum Einsatz.cite-ref-30[30]
Zum Betriebsstart gab es einige technische Probleme, die zu VerspĂ€tungen von bis zu 45 Minuten fĂŒhrten. Die russische Staatsbahn drohte Siemens mit Strafzahlungen.cite-ref-faz-2009-300-14-31-0[31] Als im Dezember 2009 infolge eines Motorschadens ein Zug 45 Minuten zu spĂ€t am Ziel ankam, forderte Jakunin eine EntschĂ€digung von Siemens, die das Unternehmen bezahlte.cite-ref-handelsblatt-2012-174-24-11-1[11]
Der RadsatzverschleiĂ an den ZĂŒgen erwies sich in den ersten Monaten als unerwartet hoch.cite-ref-dmm-2010-05-01-32-0[32]
Zum 5. April 2010 wurde die Fahrzeit aufgrund von Bauarbeiten und dichter belegter Trassen von 225 auf 235 bis 285 Minuten angehoben, gleichzeitig das Angebot von drei auf fĂŒnf Zugpaare pro Tag erhöht.cite-ref-eri-2010-246-33-0[33] Die durchschnittliche Auslastung lag im Mai 2010 bei mehr als 90 Prozent.cite-ref-dmm-2010-05-01-32-1[32]
Seit dem 30. Juli 2010cite-ref-34[34] verkehren die Sapsan-ZĂŒge auch zwischen St. Petersburg und Nischni Nowgorod (ĂŒber Moskau). Sie benötigen hierfĂŒr 8 Stunden und 5 Minuten. Bisher waren 15 Stunden erforderlich.cite-ref-35[35] Nur die wechselstromfĂ€higen MehrsystemzĂŒge befahren dabei die gesamte Strecke, die EinsystemzĂŒge fahren nur bis Wladimir, das etwa auf halber Strecke liegt.
Als im MĂ€rz 2011 ein Zug infolge vereister Ventile zwei Stunden VerspĂ€tung erlitt und dies die dritte Verzögerung von mehr als fĂŒnf Minuten binnen eines Monats war, beschwerte sich Jakunin direkt beim damaligen Siemens-Vorstandschef Peter Löscher. Daraufhin wurde nach Angaben von Siemens MaĂnahmen zur besseren Winterfestigkeit ergriffen.cite-ref-handelsblatt-2012-174-24-11-2[11]
Die vertraglich vereinbarte VerfĂŒgbarkeit von 98 Prozent sei laut Hersteller-Angaben stets deutlich ĂŒbertroffen worden (Stand: Dezember 2012).cite-ref-siemens-2012-12-03-17-3[17]
Die ZĂŒge werden hĂ€ufig mit Steinen beworfen. Als Ursache gilt der Umstand, dass das Verkehrsangebot und die Fahrzeiten auf verschiedenen Vorortlinien fĂŒr den Betrieb des Hochgeschwindigkeitszugs eingeschrĂ€nkt wurden.cite-ref-handelsblatt-2010-39-28-36-0[36]cite-ref-37[37] Pro Jahr werden infolgedessen bis zu 150 Fensterscheiben im Betriebswerk getauscht.cite-ref-handelsblatt-2012-174-24-11-3[11]
Laut einem Bericht von Anfang 2015 wurden âvor kurzer Zeitâ Sapsan-ZĂŒge mit 20 Wagen und einer LĂ€nge von rund 500 m in Betrieb genommen.cite-ref-eb-113-80-38-0[38]
Linien
Die TriebzĂŒge werden seit 17. Dezember 2009 im Regelbetrieb zwischen Moskau und St. Petersburg eingesetzt. Die ersten fĂŒnf fĂŒr die russische Breitspur von 1520 Millimetern konstruierten TriebzĂŒge mit einer GesamtlĂ€nge von 250,3 Metern verkehren seit dem 17. Dezember 2009cite-ref-39[39]cite-ref-wz-2007-07-22-40-0[40] auf der Bahnstrecke Sankt PetersburgâMoskau mit 250 km/h im Fahrgastbetrieb. Auf dieser mit 3 kV Gleichstrom elektrifizierten Strecke benötigen die EinsystemzĂŒge rund 3 Stunden und 40 Minuten zwischen Moskau und Sankt Petersburg ohne Zwischenstopp bzw. bis zu 4 Stunden und 10 Minuten bei Zwischenstopps in Tschudowo, Okulowka, Bologoje, W. Wolotschek und Twer. Bislang betrug die Fahrtzeit fĂŒr diese Strecke zwischen 4,5 und 8 Stunden.
Die MehrsystemzĂŒge, darunter die letzten drei jeweils im MĂ€rz, im April und im Juli 2010 in Betrieb gegangenen Fahrzeuge, verkehren auf der bestehenden 442 Kilometer langen Strecke MoskauâNischni Nowgorod zunĂ€chst mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h in 3 Stunden und 55 Minuten. Der Verlauf der Strecke zwischen den StĂ€dten Wladimir und Nischni Nowgorod kann nur von den 25-kV-fĂ€higen ZweisystemzĂŒgen der ersten Bauserie befahren werden. Bedienbar sind Bahnsteighöhen zwischen 1.100 und 1.300 Millimetern.
Technik
Der Sapsan muss sowohl europĂ€ische als auch russische Normen erfĂŒllen. Die russische Bahngesellschaft RZD hatte Institute beauftragt, die die festgeschriebenen technischen Anforderungen an die TriebzĂŒge umsetzten und prĂŒften. Im Gegensatz zu europĂ€ischen TriebzĂŒgen war auch eine Zulassung der einzelnen Komponenten notwendig. Den besonderen russischen Anforderungen an elektromagnetische VertrĂ€glichkeit wurde durch eine Vielzahl von MaĂnahmen Rechnung getragen.cite-ref-iv-2010-1-2-22-41-0[41]
Neben beispielsweise der wesentlichen Leistungserhöhung der Scheinwerfercite-ref-iv-2010-1-2-22-41-1[41] mussten die ZĂŒge den besonderen klimatischen Anforderungen angepasst werden. Sie sind so ausgelegt, dass sie bis zu einer AuĂentemperatur von â40 °C uneingeschrĂ€nkt betriebsfĂ€hig sein mĂŒssen, sicherheitsrelevante Systeme bis â50 °C. Das wird allein durch spezielle Materialien erreicht, um zusĂ€tzliche Heizungen einzusparen. Die Klimaanlage gewĂ€hrleistet bei AuĂenverhĂ€ltnissen von â40 °C bis +27 °C eine Innenraumtemperatur von 22 °C. Der FĂŒhrerstand ist separat klimatisiert und hat eine zusĂ€tzliche FuĂheizung. Bei Ausfall des Bordnetzes kann der Zug direkt aus der Oberleitung beheizt werden. Die KĂŒhlung der Unterflurkomponenten erfolgt ĂŒber LuftfĂŒhrungskanĂ€le vom Wagendach aus, um Probleme mit Flugschnee zu vermeiden.
Es gibt vier EinsystemzĂŒge (plus acht ZĂŒge der zweiten Bauserie) fĂŒr den Betrieb mit 3 kV Gleichstrom und vier ZweisystemzĂŒge fĂŒr zusĂ€tzlich 25 kV/50 Hz Wechselstrom, vorbereitet fĂŒr Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 330 km/h. In den Zweisystemfahrzeugen sind die Spannungssysteme komplett elektrisch getrennt. Bei Wechselstromversorgung wird im Normalbetrieb mit einem von zwei dafĂŒr vorgesehenen Oberleitungsstromabnehmern gefahren, im Gleichstrombetrieb mit zwei von vier dafĂŒr vorgesehenen Abnehmern. Alle Stromabnehmer sind die gleichen, die auch im Velaro E verwendet werden, wurden aber durch entsprechende Materialien fĂŒr einen Betrieb bis zu â50 °C angepasst. Die ebenfalls angepasste Breite der Stromwippe betrĂ€gt 1950 mm. Das Bordnetz kann auch bei einem Wechsel der Fahrdrahtspannung ohne Umschalten weiter aus einem netzunabhĂ€ngigen Traktionsstromrichter versorgt werden. WĂ€hrend der Durchfahrt solcher Trennstellen kann auch auf die EnergierĂŒckspeisung der Fahrmotoren zurĂŒckgegriffen werden.
Ein- und Zweisystemvarianten bieten bei einer GesamtlĂ€nge von 250 Metern 604 FahrgĂ€sten Platz, davon 104 in zwei Business- und 500 in acht Touristenklassewagen. Die 1.-Klasse-Bereiche, mit den beiden Lounges, sind dabei an den beiden Zugenden angebracht. Ein Catering-Service und ein Bistro stehen zur VerfĂŒgung.cite-ref-siemens-2008-09-23-2-2[2]cite-ref-european-review-2007-3-67-42-0[42] Die Glastrennwand zwischen FĂŒhrer- und Fahrgastraum lĂ€sst sich vom Fahrer nach Bedarf elektrisch durchsichtig oder milchig schalten. Sowohl innen als auch auĂen sind die ZĂŒge mit einer VideoĂŒberwachung ausgerĂŒstet.
Die TriebzĂŒge verfĂŒgten zunĂ€chst ĂŒber SA3-Kupplungen an beiden Endwagen, da sie zunĂ€chst nicht planmĂ€Ăig in Doppeltraktion verkehrten. Mittlerweile sind die TriebzĂŒge aber fĂŒr den Betrieb in Doppeltraktion auf Scharfenbergkupplungen umgerĂŒstet worden.cite-ref-43[43] Um zusĂ€tzlichen Platz im FĂŒhrerstand zu schaffen, der nach russischen Bestimmungen bei Fahrten ĂŒber drei Stunden auch die Bedienung des Zuges mit stehendem LokfĂŒhrer bis zu einer KörpergröĂe von 190 cm ermöglichen muss, wurde die Kopfform verĂ€ndert.cite-ref-iv-2010-1-2-22-41-2[41] Da das russische Eisenbahnwesen keine Sicherheitsfahrschaltung kennt, schreibt die dortige Fahrdienstvorschrift die Anwesenheit eines Beimannes â zusĂ€tzlich zum fahrenden LokfĂŒhrer â vor. Im Gegensatz zum Velaro China hat der russische Velaro trotz gleicher Wagenkastenbreite in beiden Wagenklassen die Sitzkonfiguration 2+2. Insgesamt sind 13 Standardtoiletten auf alle Mittelwagen verteilt, eine weitere ist behindertengerecht in der Mitte des Zuges ausgefĂŒhrt. Die AuĂentĂŒren haben eine lichte Weite von 900 mm und eine lichte Höhe von 2050 mm.
Jede ZughĂ€lfte von fĂŒnf Wagen besitzt eine selbstĂ€ndig funktionierende Traktionsanlage, deren Komponenten gleichmĂ€Ăig ĂŒber alle Wagen unterflur verteilt angebracht sind. Beide Traktionsanlagen haben identische Leistungseinheiten, beispielsweise fĂŒr Antriebs- und Bremssteuerung, wobei bei Ausfall einer Einheit die anderen weiterarbeiten und 75 Prozent der Traktions- und Bremsleistung des Zuges aufrechterhalten können. Im zehnteiligen Zug gibt es 16 Antriebseinheiten in acht Wagen, die den Fahrmotor, Getriebe und Kupplung beinhalten. Die beiden mittleren Wagen sind nicht angetrieben. Die Fahrmotoren sind quer in den Triebdrehgestellen angeordnet. Hauptbremse ist eine verschleiĂfreie, generatorische Bremse durch den Betrieb des Fahrmotors in jedem Triebdrehgestell. Sie lĂ€sst eine EnergierĂŒckgewinnung zu. Eine weitere Bremse in den Triebdrehgestellen ist eine pneumatische Reibungsbremse mit Radscheibenbremsen. ZusĂ€tzlich befinden sich je drei Wellenscheibenbremsen auf jeder Achse der Laufdrehgestelle. Als Feststellbremse im Stand gibt es Federspeicherbremsen in jedem einzelnen Wagen.
Die russische Betriebsleittechnik und der russische Zugfunk wurden fĂŒr den Einsatz des Sapsan weiterentwickelt. Die bisherigen russischen Frequenzen von 2 MHz, 160 MHz sowie die 460 MHz des TETRA-Standards sind in einem Drei-Band-System fĂŒr Fahrer und Beimann integriert. FĂŒr die Betriebsleittechnik kommt ein neuer Bildschirm zum Einsatz.
Die zehnteiligen TriebzĂŒge sind fĂŒr Bogenradien von 150 Metern geeignet, bei S-Kurven von 200 Metern.
Ansichten
Weblinks
Commons
: Sapsan
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Onlinevideo des Velaro RUS (Sapsan) von russland.TV
Einzelnachweise
cite-note-irj-2008-07-11. International Railway Journal. New York 2008, Juli.
cite-note-siemens-2008-09-23-22. â Der schnellste Zug in Russland kommt von Siemens â Velaro RUS. Siemens, Industry Sector, Mobility Devision, 23. September 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 17. Dezember 2014; abgerufen am 11. Februar 2009.
cite-note-eri-2005-76-33. â Meldung Siemens baut HochgeschwindigkeitszĂŒge fĂŒr Russland. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 2/2005, ISSN 1421-2811, S. 76.
cite-note-zevrail-2005-52-44. â Vereinbarung zu Entwicklung und Bau von HochgeschwindigkeitszĂŒgen fĂŒr die Russische Eisenbahn. In: ZEVrail, Glasers Annalen. Bd. 129, Nr. 1/2, Berlin 2005, S. 52. ISSN 1618-8330.
cite-note-eri-2005-286-55. â Meldung Vertrag fĂŒr russische HochgeschwindigkeitszĂŒge. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 6/2005, ISSN 1421-2811, S. 286.
cite-note-zevrail-2005-394-66. â Siemens und Russische Staatsbahn schlieĂen Entwicklungsvertrag fĂŒr HochgeschwindigkeitszĂŒge. In: ZEVrail, Glasers Annalen. Bd. 129, Nr. 9, Berlin 2005, S. 394. ISSN 1618-8330.
cite-note-tslive-2007-06-77. â Delivery of eight high-speed trains to Russia. In: tslive. Nr. 7, Hamburg 2006, S. 15.
cite-note-eri-2005-592-88. â Meldung Schlechte Karten fĂŒr ICE-Export nach Russland. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 12/2005, S. 592.
cite-note-eri-2006-360-99. â Meldung Acht schnelle ZĂŒge fĂŒr Russland. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 7/2006, ISSN 1421-2811, S. 360.
cite-note-handelsblatt-2012-174-24-1111. â Oliver Bilger: Sorgsame Pflege fĂŒr den Wanderfalken. In: Handelsblatt. Nr. 174, 7./8./9. September 2012, ISSN 0017-7296, S. 24 f.
cite-note-etr-2007-574-1212. â Produktionsstart fĂŒr Velaro RUS. In: Eisenbahntechnische Rundschau. Bd. 56, Nr. 9, Hamburg 2007, S. 574. ISSN 0013-2845
cite-note-ria-2012-08-22-1313. â Weitere High-Speed-ZĂŒge fĂŒr Russland: Siemens baut neue âSapsanâ (Memento vom 24. Dezember 2013 im Internet Archive). RIA Novosti, 22. August 2012.
cite-note-faz-2009-177-9-1414. â Michael Ludwig: Der Wanderfalke fliegt nach Petersburg. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 177, 3. August 2009, S. 9.
cite-note-finanzen-2008-01-22-1515. â Russlands Eisenbahn erhĂ€lt 422 Millionen USD von Deutscher Bank. In: Finanzen.net. 22. Januar 2008, archiviert vom Original am 9. Februar 2008; abgerufen am 11. Februar 2009.
cite-note-siemens-2011-12-19-1616. â Siemens Pressemitteilung: Russische Eisenbahn bestellt erneut den Superzug Velaro, 19. Dezember 2011.
cite-note-siemens-2012-12-03-1717. â Siemens (Hrsg.): Produktionsstart fĂŒr acht weitere HochgeschwindigkeitszĂŒge fĂŒr Russland. (Neues von Rail Systems, 3. Dezember 2012).
cite-note-1818. â Siemens delivers new high-speed Sapsan train to Russia, Global Rail News vom 19. Dezember 2013 (englisch)
cite-note-eurailpress-2018-02-14-1919. â Russland/Siemens: RZD will weitere Velaro RUS/Sapsan bestellen. In: eurailpress.de. 14. Februar 2018, archiviert vom Original am 26. Februar 2018; abgerufen am 28. Februar 2018.
cite-note-siemens-2019-06-07-2020. â Siemens Mobility erhĂ€lt Milliarden-Auftrag fĂŒr HochgeschwindigkeitszĂŒge. In: siemens.com. Siemens, 7. Juni 2019, abgerufen am 7. Juni 2019.
cite-note-2121. â LOK Report - Russland: Siemens liefert Sapsan-ZĂŒge nicht aus. Abgerufen am 23. MĂ€rz 2022.
cite-note-2323. â Ukraine-Krieg: Mannigfache Auswirkungen auf die Eisenbahn. In: Eisenbahn-Revue International 7/2022, S. 358â360 (360).
cite-note-siemens-2008-03-18-2424. â Siemens hĂ€lt bei HochgeschwindigkeitszĂŒgen hohes Tempo
cite-note-mukran20081113-2525. â HochgeschwindigkeitszĂŒge fahren per Schiff nach Russland. Siemens AG, 13. November 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 2. Februar 2013; abgerufen am 9. Juli 2009.
cite-note-2626. â Siemens stellt Hochgeschwindigkeitszug Velaro RUS in Sankt Petersburg vor. Russische Informations- und Nachrichtenagentur, 26. Dezember 2008, archiviert vom Original am 28. Januar 2012; abgerufen am 11. Februar 2009.
cite-note-db-2009-12-21-2727. â Deutsche Bahn AG: Letzter Hochgeschwindigkeitszug nach Russland verschifft. Presseinformation vom 21. Dezember 2009.
cite-note-eisenbahnrevue-2828. â Eisenbahn-Revue International 04/2014, S. 188
cite-note-2929. â Russische Bahn erzielt Geschwindigkeitsrekord. In: Internet-Zeitung russland. 7. Mai 2009, abgerufen am 13. November 2009.
cite-note-3030. â Siemens-Hochgeschwindigkeitszug auf Jungfernfahrt nach St. Petersburg. In: RIA Novosti. 17. Dezember 2009, archiviert vom Original am 19. Dezember 2009; abgerufen am 21. Dezember 2009.
cite-note-faz-2009-300-14-3131. â Siemens droht Strafgeld. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 300, 28. Dezember 2009, S. 14.
cite-note-dmm-2010-05-01-3232. â Russen wollen auch AGV kaufen (Memento vom 4. MĂ€rz 2016 im Internet Archive). In: Der MobilitĂ€tsmanager (Onlineausgabe), 1. Mai 2010
cite-note-eri-2010-246-3333. â Meldung Wanderfalken fliegen langsamer. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5, 2010, ISSN 1421-2811, S. 246.
cite-note-3434. â RIA Novosti, 30. Juli 2010
cite-note-3535. â RZD startet 2010 ab Petersburg mehr schnelle ZĂŒge. In: Russland Aktuell. 6. Januar 2010, abgerufen am 10. Januar 2010.
cite-note-handelsblatt-2010-39-28-3636. â Deutsche Bahntechnik fĂŒr Russland. In: Handelsblatt. Nr. 39, 24. Februar 2011, ISSN 0017-7296, S. 28.
cite-note-3737. â http://www.aktuell.ru/russland/news/dorfbevoelkerung_wirft_steine_gegen_die_sapsan_zuege_26514.html
cite-note-eb-113-80-3838. â Bernd Rockstroh: Geburtstag des SAPSAN â Russland feiert fĂŒnf Jahre Hochgeschwindigkeitsverkehr. In: Elektrische Bahnen. Band 113, Nr. 2â3, 2015, ISSN 0013-5437, S. 80â81.
cite-note-3939. â Offizielle RĆœD-Webseite: Pressemitteilung (Memento vom 13. Juli 2012 im Webarchiv archive.today)
cite-note-wz-2007-07-22-4040. â Siemens. Russische Velaros aus Uerdingen. In: Westdeutsche Nachrichten. 22. Juli 2007, abgerufen am 13. November 2009.
cite-note-iv-2010-1-2-22-4141. â David John, Andreas Lipp, Siegmar Kögel: HochgeschwindigkeitszĂŒge Velaro fĂŒr Russland. In: Internationales Verkehrswesen, Heft 1+2, 2010, S. 22â25.
cite-note-4343. â MEGA-INSPEKTION: So bleibt Russlands Schnellzug Sapsan in Topform. WELT Doku, 7. April 2024, abgerufen am 9. April 2024 (Bei Minute 30:00 eindeutig erkennbare SchaKu statt SA3-Kupplung).